Kein Klima Notstand

Natürliche Ursachen tragen zur Erwärmung seit 1850 bei. Für das Klima braucht es noch kein «netto null» bis 2050.

21. März 2021

Das Klima erwärmt sich seit 1850 kontinuierlich (Abb. 1). Ob die Erwärmung seit der vorindustriellen Periode, so wie sie der Weltklimarat im 2018 IPCC Special Report zum 1.5 Grad Ziel definiert[1], ganz von Menschen verursacht wurde, ist wissenschaftlich dagegen umstritten. Der Klimawandel bewegt uns alle, weil er uns alle betrifft. Leben wir in einer Zeit, die es rechtfertigt, einen «Klimanotstand» auszurufen? Kaum. Wetter kann Leben gefährden. Ja das war schon immer so. Massnahmen zur Reduktion des CO2 Ausstosses mit der Forderung nach «netto null» bis 2030/2050 polarisieren politisch, wie die kürzliche Ablehnung des Aargauer Energiegesetzes oder das Referendum zum CO2 Gesetz auf Bundesebene zeigen.

Art und Kosten der Emissionsreduktionsmassnahmen sind volkswirtschaftlich wie sozialpolitisch von Bedeutung. Seit Unterzeichnung des Paris-Abkommens wurden wissenschaftliche Erkenntnisse gewonnen, die nahelegen, nicht in Alarmstimmung zu verfallen und den anvisierten Absenkpfad zu überprüfen.


Abb 1: Globale Temperaturentwicklung 1850 – 2018 als Farbstreifen dargestellt. Quelle: Vahrenholt, F. und S. Lüning 2020 p46[2].

Im Jahr 2000 las ich im Buch «Klima macht Geschichte» von Kenneth J. Hsü zum ersten Mal von Beobachtungen, dass während sich auf dem Eurasischen Kontinent (von Europa bis China) während der letzten gut 9000 Jahren periodisch Kalt-auf Warmzeiten folgten, so wie die Kleine Eiszeit ab 1350 an die die Mittelalterliche Warmzeit anschloss. Aktuell befinden wir uns in einer Warmzeit (Abb 1). Hsü postuliert, dass etwa alle 1200 Jahre kleine Eiszeiten mit Gletschervorstössen in den Alpen sowie Trockenheit im Mittelmeerraum und Zentralasien aufgetreten sind. Die Evidenz stammt aus «Proxi-Klima-Archiven» von Seesedimenten, Tropfsteinhöhlen und Eiskernbohrungen sowie archäologischen Befunden. Hsü räumt ein, dass das Datenarchiv noch lückenhaft ist, auch deshalb, weil die eigentlichen Kaltzeiten nur etwa 200-300 Jahre andauerten. Die Auflösung der Signale wird schwieriger, je weiter ein Ereignis in der Vergangenheit liegt. Indizien weisen auf die Sonne als Treiberin dieser Klimavariabilität hin[3]. Die Geschichte wurde geprägt von dieser Abfolge von Warm- und Kaltzeiten. Klimawandel ist also ein Merkmal des Klimasystems Erde. Es gibt kein konstantes Klima.

2001 wurde der 3. Sachstandsbericht des IPCC[4] publiziert. Die Zusammenfassung für Policy Makers enthielt die Hockey Schläger Graphik von Michael Mann et. al. zur Temperaturentwicklung der letzten 1000 Jahren (Abb 2).

Abb 2: Moderne Erwärmung im Licht der Klimageschichte. Temperaturveränderungen der Nordhalbkugel aus verschiedenen Proxy-Reihen geschätzt (blau), instrumentelle Daten aus den letzten anderthalb Jahrhunderten (rot). Quelle Mann, M., S. Bradley et al., in Dritter Sachstandsbericht des IPCC (2001)

Die Mittelalterliche Warmzeit – die Periode von ca. 800 bis 1280, welche von vielen Quellen als eher wärmer eingestuft wird als die von Mann verwendete Referenz «1960-1990», war darin verschwunden. Diese Synthese steht im Widerspruch zu den Synthesen anderer Autoren und löste in Fachkreisen eine kontroverse Diskussion aus[5], die sich bis 2019 hinzog. Im August 2019 lehnte ein kanadisches Gericht eine Klage Michael Mann’s gegen einen seiner Kritiker[6] ab und bestätigte damit indirekt, dass bei der der Erstellung der Hockeyschläger Graphik fragwürdige Methoden zur Anwendung kamen, welche die Graphik als wissenschaftlichen Betrug qualifizieren.

Noch nie war es so warm wie heute wie die Michael Mann Graphik vermuten lässt – stimmt das? Wurden die Temperaturveränderungen der letzten Zeit tatsächlich allein von uns Menschen verursacht? Und welchen Einfluss haben die Aktivitätsschwankungen der Sonne? Erst bei Betrachtung von mehr als den letzten 1000 Jahren wird die schwingende Natur der Temperaturentwicklung auch visuell deutlich (Abb. 3) und die aktuelle Erwärmung in einem sinnhaften Zusammenhang dargestellt.           

Abb 3: Moderne Erwärmung im Licht der Klimageschichte. Entwicklung der Sommertemperaturen in Europa während der letzten 1200 Jahren als Farbstreifen dargestellt. Quelle: Vahrenholt, F. und S. Lüning 2020, p 47.  

Fritz Vahrenholt und Sebastian Lüning gehen den oben gestellten Fragen in einem bemerkenswerten Buch nach. Sie belegen darin neuer Einsichten aus Klimaarchiven des Holozäns zu den von vielen Autoren vertreten Thesen zum unterschätzten Einfluss natürlicher Faktoren der Erwärmung wie der Sonne (Berner, U. et al, 2000[7]. Kenneth Hsü 2000). So wird die heute beobachtete Klimaerwärmung in einen klimahistorischen Kontext von Jahrtausenden gestellt. Sie bestätigen damit auch die Resultate der von Prof Christian Schlüchter (Quartärgeologie Uni Bern) durchgeführten Untersuchungen zu Klimawandel, Gletscherschmelze in den Alpen und den alpinen Gletscherständen im Holozän (Nicolussi. K et al (2014)[8]. So wahr etwa der Rhonegletscher während 6000 Jahre der letzten 10’000 Jahre lang kürzer als der Stand im Jahr 2000. Nie stiessen die Alpen-Gletscher während der vergangenen 10’000 Jahren weiter vor als in der kleinen Eiszeit bis 1850. Es ist zwar gut gemeint aber letztlich eine Illusion, über eine «Gletscher-Initiative», die auf Emissionsbegrenzungen in der Schweiz abzielt, die Alpengletscher «retten» zu wollen. Der Gletscherrückzug zwischen 1850 und 1950 hatte weitgehend natürliche Ursachen. Zudem, wie sollte die Schweiz – auch in Abstimmung mit EU-Staaten – «netto null Emissionen» weltweit durchsetzen?

Die wichtigsten Erkenntnisse von Vahrenholt und Lüning können wie folgt zusammengefasst werden:

  • Glaubt man dem Weltklimarat und der in den Medien vorherrschenden Meinung, so treibt das atmosphärische Kohlendioxid die Temperaturentwicklung an. Rekonstruktionen des Klimas der Vergangenheit belegen aber etwas anderes: Temperatur und Kohlendioxid sind im Verlauf der Klimageschichte nicht immer miteinander gekoppelt. Die im Holozän vor 1850 beobachtete Folge von Warm- und Kaltzeiten muss andere Ursachen haben. Die wahrscheinlichste Treiberin dieser Klimaphänomene ist die Sonne. Die Vulkane sind nachgelagert, und natürlich nahm auch der Mensch über die Bewirtschaftung der Landfläche (Rodungen von Wäldern) Einfluss. Es bestehen beim Verständnis der Kausalzusammenhänge aber noch grosse Wissenslücken.
  • Solange wir das Klimasystem noch nicht wirklich verstehen, können wir es auch nicht genügend zuverlässig modellieren, wie die Sonne die Variabilität des Klimageschehens Einfluss nimmt. Weshalb etwa war Visp im Wallis während der vergangenen 115’000 Jahre während mehr als der Hälfte der Zeit eisbedeckt? Das ganze Oberwallis wurde mehr als 20-mal immer wieder von Gletschervorstössen überfahren.[9] Solange Klimamodelle nicht zumindest das Klima der vergangenen 1000 Jahre plausibel abbilden können, sind sie für die Politikberatung nur bedingt tauglich.
  • Von ausgestossene CO2 wird auch mit steigender Konzentration (zurzeit 410 ppm) gut die Hälfte von den Ozeanen und den Pflanzen der Landökosysteme wieder aufgenommen. Die Halbwertszeit der Verweildauereines CO2 Moleküls in der Atmosphäre hat sich seit 1958 von 38 Jahre auf 35 Jahre (2019) verkürzt. Im Ozeanwasser verwandeln Plankton und Korallen das aufgenommene CO2 in dauerhafte Kalksedimente, entziehen es also so dem globalen Kreislauf langfristig. Satellitenbilder weisen nach, dass die Erde grüner wird. Der Düngungseffekt des höheren Kohlendioxid Spiegels trägt auch zu landwirtschaftlichen Ertragsteigerungen bei. Bei einer Verdoppelung der Kohlendioxid Konzentration gegenüber dem vorindustriellen Niveau von 280 ppm nimmt der düngende Effekt auf die Photosynthese weiter zu, während der Beitrag des höheren CO2 Spiegels von 560 ppm zum «radiative forcing», also der Klimaerwärmung, abnimmt. Es gibt einen Sättigungseffekt in der Klimaerwärmung durch CO2.
  • Ja, Kohlendioxid leistet einen Beitrag zur Erderwärmung. Würde CO2 allein wirken, so würde die globale Temperatur bei jeder Verdoppelung der CO2 Konzentration um 1 Grad ansteigen, was eher unproblematisch wäre. Da bei einer Erwärmung zusätzlich verdunsteter Wasserdampf den Erwärmungseffekt verstärkt, ergeben sich nach IPCC 1.5 bis 4.5 Grad höhere Temperaturen pro CO2 Verdoppelung. Dem kühlenden Effekt zusätzlich gebildeter Wolken tragen die heutigen Klimamodelle dagegen noch nicht Rechnung. Trotz grosser Forschungsanstrengungen konnte die Unsicherheit dieser CO2 Sensitivität seit 1995 kaum wesentlich reduziert werden. Neuere Forschungen weisen aber darauf hin, dass er in der unteren Hälfte oder dem unteren Drittel der Spanne 1.5 bis 4.5 Grad liegen könnte. Ist die Klimasensitivität von CO2 geringer, so muss der Anteil der natürlichen Ursachen an der Erwärmung der letzten 150 Jahre höher sein, einschliesslich der Verstärkung durch Wasserdampf. Bei tieferen Werten steht ab einer Halbierung der Emissionen in Industrieländern mehr Zeit zur Verfügung, um das 2 Grad-Ziel zu erreichen.
  • Es leisten aber auch andere anthropogene Prozesse, wie die Bewässerungslandwirtschaft einen nicht unwesentlichen Beitrag zur Erhöhung der Wasserdampfkonzentration in der Atmosphäre. Dieser mit der menschlichen Ernährung gekoppelte Erwärmungsbeitrag lässt sich durch Reduktion des Treibhausgas Ausstosses nicht beeinflussen. Dem Erhalt der Ökosysteme zu Land und zu Wasser kommt dagegen eine zentrale Bedeutung zu.
  • In Realität hat sich das Klima innerhalb der letzten 20 Jahren viel langsamer – etwa halb so stark – erwärmt als wie von den IPCC Modellen vorhergesagt. Einen Klimanotstand gibt es nicht.
  • Es ist unbestritten, dass die CO2 Emissionen durch einen Ausstieg aus der Verwendung fossiler Energieträger weltweit zu reduzieren sind. Eine Halbierung vor Ende dieses Jahrhunderts wäre schon ein grosser, wahrscheinlich genügender Erfolg, wenn die CO2 Sensitivität am unteren Ende der Bandbreite des IPCC zwischen 1.5 und 2 Grad liegt. Dafür genügt es die Emissionen global auf dem Niveau von 2030 zu stabilisieren und in den Industrieländern den CO2 Ausstoss bis 2050 gegenüber 1990, um einen Faktor 3 bis 4 zu reduzieren. Eine solche Absenkung löst einen Bruchteil der Kosten[10] einer «netto null Emissionen» Strategie aus, ist sozialverträglicher und eher über marktwirtschaftliche Massnahmen zu realisieren. Es braucht dann weniger Subventionen, Gebote und Verbote. Für die globale Verbreitung eines dekarbonisierten Energiesystems müssen diese Technologien wettbewerbsfähig werden. Grenzschutz wird in der EU bereits bei einem Handelspreis von 40 EUR/t CO2 zum Thema.
  • Man stelle sich die Wirkung von Vermeidungskosten von 400 CHF/t CO2[11] auf der «letzten Meile» bis «netto null» im Jahr 2050 auf die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen und Volkswirtschaften der Schweiz / Europas[12] vor. In Frankreich rebellierte die «Gillet Jaune» Bewegung bereits, um eine Umweltabgabe von 0.06 EUR/Liter Treibstoff abzuwenden. Das Ziel, eine Energieversorgung mit 100% erneuerbaren Energieträgern bis 2050 gemäss «Green New Deal» und Paris-Abkommen ist nicht zu Ende gedacht. Wenn es, um «netto null» auf globaler Ebene zu erreichen, Transfers braucht, wer soll diese für Indien, Ostasien oder Afrika leisten, wenn die westlichen Volkswirtschaften unter Klima Sonderlasten im globalen Wettbewerb vor 2050 den Kürzeren ziehen? China? Wenn ja, dann nur zu einem Preis, an welchem westliche Demokratien keine Freude haben können.

Was bedeutet dies für den Umbau der Energiesysteme (Schwergewicht Schweiz)?

  1. Das hier dargelegte verfolgt keine «Klimaleugner» Absichten. Ganz im Gegenteil. Die wesentliche Stossrichtung der Energiewende ist umzusetzen. Dies soll aber mit Augenmass auf die politische Umsetzbarkeit und ihre Wirksamkeit auf globaler Ebene, ohne missionarischen Eifer, erfolgen. Oft gewinne ich bei der «Friday for Future» Bewegung den Eindruck, dass es an den deutschsprachigen Ländern und Skandinavien liegen müsste, Klima und die Welt zu retten. Anders als sie behauptet, stützt sich diese Bewegung dabei nicht auf breit abgestützte, empirische wissenschaftliche Fakten.
  2. Der von Roger Nordmann[13] vorgeschlagene Solarplan für die Schweiz ist pragmatisch und weist den Weg. Beim anvisierten Ausbau der solaren Produktionskapazität im Alpenraum ausserhalb des Baugebietes wird es zu Güterabwägungen mit Aspekten des Landschaftsschutzes kommen, was den Ausbau nach den bisherigen Erfahrungen mit der Windenergie bremst. Power-to-Gas und Batteriespeicherung können auf längere Sicht eine bedeutende Rolle übernehmen, es wird aber in der Schweiz eine Stromerzeugungskapazität von 8-10 TWh aus Erdgas brauchen, um die Ausserbetriebnahme der AKW nach 50 Betriebsjahren abzufedern und eine zu grosse Stromimportabhängigkeit zu vermeiden. Dabei fallen zusätzliche Emissionen von 4-5 Mio t CO2 pro Jahr an, welche durch Ausbauschritte für eine optimierte saisonale Speicherung und Power-to-Gas nach 2050 schrittweise wieder reduziert werden sollen.
  3. Der beschlossene Ausstieg aus der Kernkraft ist, wegen den nuklearen Risiken und der nach wie vor nicht gelösten Entsorgungsfrage, richtig. Die von Bill Gates und Joe Biden kürzlich genährten Hoffnungen auf «sauberen» Nuklearstrom führen auf einen Holzweg, weil immer Spaltprodukte anfallen und die Kraftwerksicherheit Fragen aufwirft. Zudem käme ein nukleares Revival zu spät. Er ist bei Vollkosten-Betrachtung zudem teurer als der Effizienzpfad kombiniert mit Stromerzeugung über Wind und Sonne, auch unter Einbezug der Speicherkosten. In der Schweiz sind die verbleibenden AKW nach 50 Betriebsjahren von Netz zu nehmen. Einzig für Gösgen könnte auf eine Verlängerung der Laufzeit auf 60 Jahre geprüft werden. Die anderen Anlagen genügen heutigen Anforderungen an die Sicherheit nichtmehr[14].
  4. Die Schweiz, wie ihre Nachbarstaaten sollen das Erdgasnetz über 2050 hinaus in Betrieb halten. Erdgas-Heizkraftwerke (Gasmotoren, Brennstoffzellen, Gas-Kombi Turbinen) mit Leistungen 1-40 MW sind vorzugsweise in Nah- und Fernwärmenetze einzuplanen, wo sie während dem Winterhalbjahr Wärme- und Strom Grundlast liefern. Eine solche Chance hätte der Umbau der KVA Josephstrasse in Zürich zum Heizwerk geboten. Sie wurde aber leider nicht wahrgenommen. Erdgas-Spitzenkessel sollten nicht für wesentliche Teile des Winterjahr in Betrieb stehen.
  5. Die Umstellung auf Elektromobilität erhöht global auf Lebens-Zyklus-Basis die CO2 Emissionen noch, statt sie zu reduzieren. Batterie-elektrische Fahrzeuge genügen nicht für das Ziel «netto null» Treibhausgas Emissionen, selbst wenn alle nur noch «Ökostrom» tanken, was bis 2050 für die Schweiz noch für Europa wegen der Speicherproblematik während dunkel Flauten wenig realistisch ist. Neuere Studien des Paul-Scherrer-Instituts[15] und des Touring Club der Schweiz[16] zeigen, dass Elektroautos beim Strommix Schweiz einen CO2 Ausstoss von gut 50% eines benzingetriebenen Fahrzeugs verursachen, beim heutigen CO2 armen Strommix der Schweiz. Auch bis 2050 wird «netto null» CO2 nicht erreicht sein.
  6. Es braucht also langfristig so oder so einen neuen Technologie- und Mobilitätsmix. Die urbanen Gebiete bieten dazu günstige Voraussetzungen. Anders sieht es in ländlichen Regionen und im Gebirge aus. Die diskutierten Technologieverbote für den Verbrennungsmotor sind fehl am Platz.
  7. Es wird Zeit brauchen, um eine Wasserstoffwirtschaft auf erneuerbarer Energiebasis aufzubauen. Sie trägt dazu bei, die zu erwartende Stromspitzenlast zu brechen, welche die Umstellung auf weitgehend batteriebetriebene Fahrzeuge verursachen würde. Brennstoffzellen werden voraussichtlich vor allem im Bereich des Strassen-Güterverkehr zum Einsatz kommen. Der Ausbau des Wasserstoff Tankstellennetzes ist von strategischer Bedeutung, um im Mobilitätsbereich zu über einen zweiten Technologie-Pfeiler zu verfügen und um im Sommerhalbjahr den Solarstrom Überschuss sinnvoll zu nutzen.
  8. Um den CO2 Ausstoss des verbleibenden Fahrzeugbestandes mit Verbrennungsmotor zu senken, bietet es sich an, die Anforderung an in Verkehr gebrachte Treibstoffe so zu verschärfen, so dass die Mineralölfirmen und Gastankstellenbetreiber jedes Jahr 1-2% mehr synthetische E-Fuel Anteile aus erneuerbarer Energie (auf Power-to-Gas Basis) mit in Verkauf bringen müssten[17]. Würde diese Anforderung 2025 in Kraft gesetzt, wären bis 2050 ein Anteil von 25-50% erreicht. Eine solche Anforderung würde auch den Markt für die Produktion dieser Syn-Fuel-Treibstoffe schaffen, bei Erhöhung der Tankstellenpreise in kleinen Schritten. Sie könnte die wenig transparente und wenig kosteneffiziente Lösung mit dem «Klimarappen» gemäss CO2 Gesetz ablösen.
  9. Dem revidierten CO2 Gesetz ist am 13. Juni 2021 zuzustimmen, trotz ärgerlicher Schwachstellen, v.a. im Bereich Mobilität.

Bis jetzt hat weder in der Schweiz noch in Europa eine breite Diskussion darüber stattgefunden, wie denn eine «netto null» Energie und Klimastrategie bis 2050 in die bestehende doch sehr stark globalisiert Wirtschaftsordnung eingefügt werden soll. Der hier propagierte «Faktor 4» Reduktionspfad für die CO2 Emissionen der Schweiz verursacht gemäss den STEM Modellrechnungen des PSI lediglich Mehrkosten von 11 Mia CHF gegenüber der Energiepolitik «Business-as-usual»[18]. Dem stehen Kosten von 97 Mia CHF bei der Verfolgung des «Netto Null» Zieles bis 2050 gegenüber. Wir haben in Europa keine Garantie, dass China und die USA bis 2060 oder 2065 das gleiche «netto null» Ziel erreichen werden. Ganz zu schweigen von Indien, der ostasiatischen Region, dem Mittleren Osten, Afrika und Lateinamerika. Es ist nicht ersichtlich, weshalb wir Arbeitsplatzverluste, sozialpolitische und wirtschaftliche Spannungen und Verwerfungen riskieren sollten, wenn das Weltklima dies gar nicht erfordert. Bei all diesen Langfristszenarien ist zudem offen, in welchem Zustand unsere Länder aus der gegenwärtigen Corona- und Finanzkrise herauskommen. Zwischen heute und 2050 wird es auch noch darum gehen, die globalen Schuldenüberstände ohne Krieg abzubauen und zu neu strukturieren sowie die Rentensysteme auf eine neue Basis zu stellen. Es ist deshalb zentral, die öffentlichen Haushalte und die Wirtschaft mit dem Umbau des Energiesystems nicht zu stark zu belasten.


[1] Der IPCC Special Report 2018 zum 1.5 Grad Ziel stützt sich auf die Periode 1850-1900 als Referenz für die Temperatur der «vorindustriellen» Periode ab, ohne zu sagen, ob diese Durchschnittstemperatur für die davor liegenden 100, 1000 oder 10’000 Jahre repräsentativ ist.

[2] Vahrenholt, F. und S. Lüning: Unerwünschte Wahrheiten. Langenmüller München 2020.

[3] Korrelation zwischen periodischem Auftreten von Sonnenflecken Minima und Kaltzeiten. Variation von Total Solar Irradiance (TSI), UV-Strahlung, Kosmische Strahlung und Magnetfeld der Sonne fällt unterschiedlich stark aus, was aus Satelliten- Messungen seit 1979 hervorgeht.

[4] Dritter Sachstandsbericht des IPCC (Third Assessment Report TAR), https://www.grida.no/publications/267

[5] z. B. McIntyre, S. und R. McKitrick: Hockey sticks, principal components, and spurious significance, Geophysical Research letters (2005)

[6] Klage gegen Publizisten Ball, der zum Schluss kam, dass das Team von Mann et al. für die Darstellung unpassende Daten aus den Proxy Zeitreihen entfernte, um das gewünschte Ergebnis zu erzeugen. (Mann et al. had truncated inconvenient data that failed to match the narrative they wanted to present. Most would call this kind of data truncation a clearcut instance of „scientific fraud.“). Quelle:  Francis Menton Manhattan Contrarian, Michael Mann „Hockey Stick“ Update: Now Definitively Established To Be Fraud.

[7] Berner, U. HJ. Streif Hsg: Klimafakten. Der Rückblick – ein Schlüssel für die Zukunft, Stuttgart (2000)

[8] Nicolussi. K., R. Drescher-Schneider, M. Le Roy, und Chr. Schlüchter (2014): Alpine Gletscherschwankungen während des Holozäns, Geographische Rundschau

[9] ETH Zürich (2018): An ice age lasting 115,000 years in two minutes.

[10] Eine Untersuchung des Paul-Scherrer-Instituts schätzt die Reduktionskosten der letzten 20% zur Erreichung des Netto Null Ziels gemäss angepasster Energiestrategie 2050 der Schweiz auf 440 CHF/Tonne CO2. Heute liegt der EAU Handelspreis bei 37 EUR/t CO2. Quelle: NZZ am Sonntag 7. März 2021.

[11] Entspricht, umgelegt auf einen Liter Benzin oder Diesel ca. 1.0 CHF/l zusätzlich zu den Strassenfinanzierungkosten

[12] Die Schweiz verfügt mit dem hohen Wasserkraftanteil an der Stromproduktion und den Pumpspeicherwerken über Standortvorteile, über welche die Mehrheit der europäischen Länder nicht verfügen.

[13] Nordmann R.: Sonne für den Klimaschutz. Ein Solarplan für die Schweiz, Basel 2019.

[14] Beznau I und II sind gegen Flugzeugabstürze nicht gesichert und auch die Erdbebensicherheit ist umstritten. Im AKW Leibstadt, einem Siedewasserreaktor, sind seit 2014 Oxidationen und Metallablagerungen an den Brennelementen aufgetreten, deren Ursachen noch nicht geklärt sind.

[15] PSI, Mobilität von Morgen 01/2020 Magazin ab Seite 16)

[16] TCS, Klimabilanzrechner

[17] vgl Porsche forscht an synthetischen Kraftstoffen. https://newsroom.porsche.com/de/2020/unternehmen/porsche-forschung-synthetische-kraftstoffe-efuels-entwicklung-22014.html

[18] Entspricht der Aussage von Doris Leuthard im Abstimmungskampf «Energiestrategie 2050» des Jahres 2017, dass die Stromrechnung einer Familie um nicht mehr als 40 CHF/Jahr höher ausfallen wird.

Chancen der Landwirtschaft in Alpenländern

Wege zu einer raufutterbasierten Milch- und Fleischproduktion in Österreich und der Schweiz.
Buch in «Bristol Schriftenreihe» Band 58 erschienen.

Für die sogenannten «Grasländer» Schweiz und Österreich stellt sich die Frage, welche Lösungen für die Milch- und Rindfl eischproduktion zu einer ökologisch nachhaltigen Landnutzung beitragen können. Vor diesem Hintergrund unterziehen die Autoren die Landwirtschaft in diesen beiden Alpenländern einer umfassenden Bestandsaufnahme hinsichtlich ihrer agrarpolitischen Entwicklung und deren Folgen für die
Umwelt. Dabei stellen sie den Faktor Stickstoff in das Zentrum der Analyse, die in einer Zusammenarbeit zwischen FiBL Österreich, Umweltbundesamt GmbH Wien, FiBL Schweiz, und Schwank Earthpartner AG erfolgte.
Die Autoren entwickeln aus verschiedenen Perspektiven Ansätze und Leitlinien, die zentral sind, um mittelfristig eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft zu erreichen. Eine wichtige regionale wie auch globale Leitfrage ist dabei, wie sich eine sichere Ernährung der Bevölkerung erreichen lässt, ohne die Tragfähigkeit des Ökosystems zu gefährden.
Mit der «Regenerativen Milch- und Rindfl eischproduktion» stellen die Autoren einen neuen und innovativen Lösungsweg für eine ökologisch nachhaltige Landwirtschaft im Alpenraum vor, der sich von der momentanen Hochleistungsstrategie unterscheidet. Doch zeigt dieser Lösungsweg auch positive Effekte auf die
Umwelt in der Schweiz und in Österreich? Und inwieweit verändert er die Produktion von Lebensmitteln?
Diese Fragen werden anhand verschiedener Modellberechnungen beantwortet, deren Machbarkeit mittels Praxisbeiträgen veranschaulicht wird.